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Qualitätsstandards in der Softwareentwicklung

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CMM, CMMI, SPICE, SPiCE-Lite, ESA PSS-05 Serie

Grundsteine für Assessments

Seit vielen Jahren werden sogenannte Lebenszyklusmodelle oder Vorgehensmodelle für die Software-Entwicklung in den unterschiedlichsten Varianten diskutiert und auch angewendet. Eines der bekanntesten, in die Praxis umgesetzten Phasenmodelle ist in den Software Engineering Standards der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA zu finden. Die ESA PSS-05 Serie zeichnet sich insbesondere gegenüber den in der Wirtschaft und Industrie noch häufig verwendeten Projekthandbüchern durch ihre Prägnanz und Übersichtlichkeit aus. In einer komprimierten Form wird das ESA Modell von SPiCE-Lite zur Darstellung der phasenbezogenen und phasenunabhängigen Prozesse eingesetzt.

Weitere für die Software-Erstellung wesentlichen Prozesse wurden in mehreren praktischen und wissenschaftlichen Studien analysiert. Eine Vorreiterrolle bei der Beschreibung dieser Prozesse spielte das Software Engineering Institute (SEI) der Carnegie Mellon University in Pittsburgh mit dem sogenannten Capability Maturity Model (CMM) oder Reifegradmodell.

Dieses Modell geht davon aus, dass eine Organisation über mehrere Stufen die Fähigkeiten entwickelt, qualitativ hochwertige Software systematisch und zuverlässig zu erstellen und die erforderlichen Prozesse einzuführen.

Diese Gedanken wurden von den meisten gängigen Verfahren wie z.B. BOOTSTRAP oder SPICE (ISO 15504) in abgewandelter Form übernommen. Wesentliches Merkmal all dieser Modelle ist die Möglichkeit, die Qualität der Software-Entwicklungsprozesse quantitativ in Zahlen zu fassen.

Der Prozessgedanke ist auch die Grundlage für die ISO 9000 Normen. Insbesondere hat ISO 9000 gezeigt, was die Verantwortung und Rolle der Linienverantwortlichen in Bezug auf Qualität bedeutet, und wie die Führung ihre qualitätsbestimmenden Aufgaben wahrnehmen soll. Die Bereiche Organisation und Management von SPiCE-Lite befassen sich ausführlich mit den einzelnen Elementen der ISO 9000 Norm. ISO 9000 ist ein allgemeines Rahmenwerk für die Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Wartung beliebiger Produkte oder Dienstleistungen. Hierbei nehmen die Entwurfsaktivitäten eine herausragende Stellung ein. Für die eigentliche Erstellung von Software enthält diese Norm jedoch nur wenig Anhaltspunkte. Mittlerweile hat nun ISO 9000 in der Fassung ISO 9000:2000 auch die Struktur der propagierten Prozessorientierung erhalten und ist somit auch über die SPiCE-Lite - Methode in Software Unternehmen umsetzbar. In einem SPiCE-Lite Assessment werden die wichtigsten Aspekte aus der Sicht eines Qualitätsmanagementsystems beleuchtet.

Audits und Assessments Externe Audits sind seit längerem im militärischen Bereich, in der Luft- und Raumfahrt, in der Medizintechnik oder bei sicherheitskritischen Anwendungen üblich. Audits, bei denen gegenüber Dritten nachgewiesen werden muss, dass ein wirksames Qualitäts-Management vorhanden ist, sind eine Notwendigkeit für die Erlangung eines ISO 9000 Zertifikats. Dennoch ist im allgemeinen zu berücksichtigen, dass mit Vorgaben alleine die Qualität nicht automatisch und sicherlich nicht dauerhaft gewährleistet ist. Ein herausragendes Element der ISO 9000 Normenreihe, das dieser Tatsache Rechnung trägt, ist demnach die Forderung von regelmäßigen internen Qualitäts-Audits.

SPiCE-Lite wird als Instrument für interne Audits - speziell natürlich für die Software Entwicklung - eingesetzt. Spezielle Versionen von SPiCE-Lite für Organisationen, welche daran interessiert sind, darüber hinaus die genaue Erfüllung aller ISO 9000 Kriterien in einer Organisation zu überprüfen, sind auf Anfrage erhältlich (siehe hierzu auch Assess&Act ISO9000:2000).

Neben den Audit-Verfahren, welche im wesentlichen auf eine Überprüfung der Einhaltung von Normen und Richtlinien zielen, gibt es auch Methoden, die eine kooperative und offene Zusammenarbeit bei der Ermittlung der eigentlichen Fähigkeiten einer Organisation, Software zu erstellen, voraussetzen.

SPICE - ISO/IEC/TR 15504 Software Process Assessment

SPICE ist nun der Arbeitstitel für die ISO Norm 15504 "Software Process Assessment", welche ein Rahmenwerk für die Durchführung von Assessments und Verbesserungsmaßnahmen darstellt. SPiCE-Lite ist als eines der ersten eigenständigen Verfahren voll SPICE kompatibel. Damit ist gewährleistet, dass die erhobenen Daten auch noch nach Jahren als Vergleichsbasis geeignet sind.

Klar hervorzuheben ist die Unterscheidung, dass SPiCE-Lite nicht nur ein Abbild von SPICE ist, sondern im Gegensatz dazu eine eigenständige Entwicklung mit eigenen Prozessen, Prozessbereichen und Prozessattributen. Diese sind aber derart gestaltet, sodass eine automatische Überführung auf SPICE gewährleistet ist. Die Vorteile der Erweiterungen von SPiCE-Lite gegenüber dem normativen Rahmenwerk sind nun:

  • SPiCE-Lite ist einfacher anzuwenden, da die Fragen nicht unbedingt Prozessverständnis voraussetzen
  • Dementsprechend dauert ein vollständiges SPICE Assessment ca. 3 bis 10 mal so lange wie ein vollständiges SPiCE-Lite Assessment.
  • Durch den geringen Aufwand können mehr Teilnehmer an Assessments partizipieren.

Sollte man aber Verpflichtungen gegenüber Organisationen besitzen, die SPICE voraussetzen, so ist es natürlich vorteilhaft, wenn man sich mit der Norm (ISO 15504) selbst auseinandersetzt.

In der Industrie - speziell was nun Software für das Militär in den USA betrifft - ist aber weiterhin das CMM (Capability Maturity Model) das Maß der Dinge, wobei es auch hier eine aktuelle Neuentwicklung, nämlich das CMMI (I..Integrated) gibt.

Quelle: Process Improvement Center

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